bis 2022

Heute

Gouda ist natürlich viel älter als 750 Jahre. Aber im Jahr 2022 feiern wir, dass der Graf von Holland, Florens V., 1272 Gouda die Stadtrechte verlieh.

Da wir nicht alles in die Zeitachse aufnehmen können, was seitdem in der Stadt passiert ist, haben wir eine Auswahl von Höhe- und Tiefpunkten getroffen und diese chronologisch geordnet.
Wir freuen uns auf das Jubiläum! Nicht nur Gouda hat Krisen überwunden, von der Pest bis hin zu den Stadtbränden. Die ganze Welt leidet momentan unter der Coronapandemie, die in zukünftigen geschichtlichen Übersichten ein weiterer Punkt auf der Zeitachse sein wird.
Wenn Sie der Meinung sind, dass wir wirklich einen Meilenstein außer Acht gelassen haben, würden wir uns über eine E-Mail an info@gouda750.nl freuen. Mehr zu diesem Thema
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1 Ontginning

1139

Urbarmachung an der Gouwe – die Entstehung von Gouda

Auf dieses Jahr geht die älteste bekannte Überlieferung der Namen Gouwe, Gouda und Govda zurück: Iuxta Goldam, was „an der Gouwe entlang“ bedeutet. Dieser Eintrag ist Bischof Andreas von Utrecht zuzuschreiben, der dem Kapitel der Sint-Salvator-Kirche (Oudmunster) in Utrecht das Recht der Urbarmachung entlang des Flusses schenkt, das „iuxta Goldam“.

Interpretiert wurde der Name Gouda als Gold-a, Gold-ach, was „goldener Wasserlauf“ bedeutet. Die goldene Farbe des Wassers soll dem Torfmoor geschuldet sein.

1243

Erstmalige Erwähnung von Dirk van der Goude

Wilhelm II, Graf von Holland, erwähnt in einem Kaufvertrag mit deutschen Kaufleuten zum ersten Mal einen Herren von Gouda, Theodoricus van Ghouda, auch bekannt als Dirk van der Goude. Wahrscheinlich wurde die erste Motte, eine von einem Erdhügel umgebene Burganlage, im Stadtviertel „Hinter der Kirche“ ebenfalls in diesem Jahr fertiggestellt. Rund um die Burg war Platz für einen Markt. Hier stand neben einigen Bauernhöfen auch die erste Kirche, der Vorgänger der Sint-Jans-Kirche.

Das Wappen von Gouda mit sechs Sternen stammt aus einer späteren Periode. Das Wappen der Herren van der Goude hatte ursprünglich nur zwei Sterne. Jan van der Goude (1375-1411) führte als Wappen einen silbernen Querträger mit zwei goldenen Sternen.

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3 Stadswapen
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1272

Graf von Holland, Florens V., verleiht Gouda die Stadtrechte

Am 19. Juli 2022 feiern wir, dass Florens V. (geboren 1254 und ermordet 1296), vor 750 Jahren der Stadt Gouda die Stadtrechte verlieh. Es gab sowohl Befürworter als auch Gegner, da die Stadtrechte auch Verpflichtungen mit sich brachten. Nicolaas van Cats hatte Florens V. um die Verleihung der Stadtrechte ersucht. Van Cats war der Vormund der achtjährigen Sophie van der Goude, der damaligen Erbtochter der adligen Familie Van der Goude.

Mit der Verleihung der Stadtrechte wurden den Stadtbewohnern auch verschiedene andere Rechte offiziell zugesprochen, wie die Bürgerschaft, die Rechtsprechung und die Glaubensfreiheit.


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1361

Erster verheerender Stadtbrand und Bau des Schlosses von Gouda

1356 wurde Jan van Blois (Johann II. von Châtillon) Herr von Gouda und hatte damit das Sagen in der Stadt. Am Mühlenplatz stand eine Getreidemühle, und es gab bereits eine Stadtwaage, die „Waag“. Beim großen Stadtbrand 1361 brannte die erste Sint-Jans-Kirche nieder. Ein Teil des Stadttors einschließlich Turm wurde in das neue, von Jan van Blois erbaute Schloss von Gouda integriert, heute „Veerstal“ genannt.

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1395

Die Käsestadt Gouda

Da Gouda regional eine wichtige Funktion erfüllte, verlieh der Graf von Holland der Stadt Wiege- und Marktrechte. Der Käsemarkt geht auf das Jahr 1395 zurück. Die Stadtverwaltung kaufte mitten in der Stadt ein Grundstück und plante dort einen Käsemarkt. Der Käse wurde bis dahin an mehreren Standorten in der Stadt verhandelt. Aufgrund der Marktrechte durften die Bauern aus der Umgebung ihre Ware nicht außerhalb der Stadt verkaufen. Der weltberühmte „Gouda“ bezieht sich also auf die Stadt, in der mit diesem Käse gehandelt wurde. Hergestellt wurde er in den umliegenden Dörfern und Städten.

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1425

Jakobäa von Bayern schenkt Messkelch der Goudaer Schützenbruderschaft

Es war die Zeit von Philipp III., dem Herzog von Burgund, und den Kämpfen zwischen den Hoeken und Kabeljauwen. Jakobäa von Bayern war die Tochter von Graf von Holland Wilhelm VI. und Margarete von Burgund. Bereits im Alter von fünf Jahren wurde sie mit dem französischen Thronfolger Jean de Valois, Herzog von Touraine, verheiratet. Die Hochzeit fand 10 Jahre später in Den Haag statt.

Nach dem Tod ihres Vaters erbt sie im Alter von 16 Jahren unter anderem große Teile des heutigen Süd-Holland. Nach dem Tod ihres Ehemanns heiratet Jakobäa noch mehrmals – in den meisten Fällen zur Stärkung ihrer Macht.

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Miskelk Jacoba Van Beieren Wikipedia
Gravure Stadhuis

1438

Zweiter großer Stadtbrand, Anlass zum Bau des gotischen Rathauses am Markt

1438 bricht der zweite große Stadtbrand aus, der die Stadt größtenteils in Schutt und Asche legt. Rathaus und Archive fallen dem Feuer zum Opfer. Am Markt werden Vorbereitungen für den Bau des gotischen Rathauses getroffen, das bis heute erhalten blieb. Das Rathaus wurde im Laufe der Jahrhunderte sowohl innen als auch außen umfassend restauriert und angepasst. Die rot-weißen Fensterläden zum Beispiel sind eine typische Ergänzung aus dem 19. Jahrhundert. Auch die Giebelfiguren wurden später hinzugefügt.

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1466

Erasmus in Gouda

Um 1466 wurde Erasmus als außerehelicher Sohn eines Geistlichen und seiner Haushälterin geboren. Obwohl Erasmus´ Geburtsort wohl immer ein Zankapfel zwischen Gouda und Rotterdam bleiben wird, wuchsen Erasmus und sein Bruder in Gouda auf. Erasmus besuchte die Lateinschule am Markt (wo sich heute Arti Legi befindet) und wohnte im Emmaus-Kloster in Stein (das Gebiet zwischen dem Viertel Kort Haarlem und Haastrecht), das 1549 abbrannte.

Erasmus wandte sich von den strengen Regeln des Klosters ab und bereiste Europa. Er verdiente sein Geld als Privatlehrer und lebte auch vom Verkauf seiner Schriften.

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Erasmus
Dordrecht Plek van de eerste statenvergadering Rijksdienst Cultureel Erfgoed

1572

Die erste freie Ständeversammlung

1566 suchten die Bilderstürmer die Niederlande heim, verschonten jedoch die Stadt Gouda. 1572 wurde in Dordrecht die erste Versammlung der holländischen Stände einberufen. Die anwesenden Städte bestätigten während dieser Sitzung Wilhelm I. von Oranien in seiner Funktion als Statthalter von Holland, Zeeland und Utrecht. Er wurde auch zum Vertreter des spanischen Königs Philipp II. in dessen Abwesenheit und somit zum Schutzherren der Niederlande ernannt.

Im Grunde war dies der Keim für die Entstehung der Niederlande als unabhängiger Staat und gleichzeitig eine Abweisung der spanischen Vorherrschaft. Die Versammlung fand am 19. Juli statt – genau 300 Jahre nach der Verleihung der Stadtrechte an Gouda.

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1590

Coornhert, Verteidiger der Meinungsfreiheit, stirbt in Gouda

Der 1522 in Amsterdam in eine katholische Familie hineingeborene Dirck Volkertszoon Coornhert entpuppt sich als glühender Vertreter der Meinungs- und Religionsfreiheit. Obgleich weniger bekannt als Erasmus, ist auch er ein wichtiger Humanist. Coornhert glaubt nicht an die Erbsünde, wonach der Mensch durch den Sündenfall von Adam und Eva für immer ein Sünder ist. Außerdem ist Coornhert mit Wilhelm I. befreundet. Die Spanier betrachten ihn deshalb als Aufwiegler und werfen ihn in Den Haag ins Gefängnis, aus dem er aber fliehen konnte.

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Gevelsteen Coornhert
Pijpenindustrie Goedewaagen Canon

1617

Tonpfeifen, Keramik und Fayence

Die Flüsse rund um Gouda waren reich an Ton. So entstand schon früh eine Keramikindustrie. 1617 stand es mit diesem Wirtschaftszweig nicht gut. Der arbeitslose, englische Söldner Willem Baernelts begann Tonpfeifen herzustellen und verhalf so der Goudaer Keramikindustrie zu neuem Aufschwung. Die Pfeifen wurden weltberühmt. 1660 wurde sogar die Gilde der Goudaer Pfeifenmacher gegründet. Schließlich verdrängten Pfeifen aus Holz die Goudaer Tonpfeifen. Doch bis weit ins 20. Jahrhundert wurden in Gouda von der Firma Goedewaagen noch Pfeifen und Keramik hergestellt. Es gibt noch einige Pfeifenmacher in Gouda, die Pfeifen in Handarbeit fertigen, wie Kees Moerings und Patrick Vermeulen.

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1672

Holländische Wasserlinie, Katastrophenjahr 1672

Noch immer lernen niederländische Schüler, dass 1672 ein Katastrophenjahr für die noch junge Nation war, da damals Frankreich, England und die deutschen Bistümer Münster und Köln gleichzeitig der Republik der Vereinigten Niederlande den Krieg erklärten. Eine militärische Verteidigungslinie musste her, um den Gegnern Widerstand leisten zu können. So entstand die Alte Holländische Wasserlinie.

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Mallegatsluis

1700-1770

Wiederaufbau abgebrannter Mühlen, Ausgrabung der dritten Mallegat-Schleuse und Geburt von Bleuland

1702 wurde das „Hofje van Jongkind“ als Wohnstätte für alleinstehende Frauen eingeweiht. Hier befindet sich heute das Lokal „Hofje van Jongkind“ mit Kaffeerösterei. Die Mühlen an der Vest (Roode Leeuw, 1727, und De Korenbloem, 1751) werden neu erbaut.

Moreau baut die Orgel in der Sint-Jans-Kirche; die alte Orgel wird verkauft. An der Adresse Lange Tiendeweg wird ein Gebäude für die Schützenbruderschaft errichtet, Sint Jorisdoelen. Beim heutigen Museumshafen entsteht die dritte Mallegat-Schleuse. Gouda zählt zu diesem Zeitpunkt etwa 20.000 Einwohner. Die Einwohnerzahl schwankt jedoch im Laufe der Jahrhunderte.

1756 wird der Arzt, spätere Professor und Namensgeber des Krankenhauses, Jan Bleuland, an der Hoge Gouwe geboren. Er stirbt im Jahr 1838.

1778

Anna Barbara van Meerten-Schilperoort

Anna Barbara van Meerten-Schilperoort wurde 1778 in Voorburg geboren. Sie war eine besondere Frau, die ganz nach Goudaer Tradition an Toleranz, Unternehmergeist und Redefreiheit glaubte, aber viel weniger bekannt war als Erasmus und Coornhert. Sie war eine sozial engagierte Frau, die mit 16 Jahren den Pfarrer Hendrik van Meerten heiratete. Van Meerten bekam 1796 eine Anstellung in Gouda.

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Anna Barbara
Goudse producten

1800-1920

Wirtschaftlicher Aufschwung – Goudaer Produkte werden international bekannt

In Gouda herrschte schon immer geschäftiges Treiben. Hier wurde nicht nur Bier gebraut (z. B. Goudsch Kuyt), sondern auch Käse und Pfeifen hergestellt. Auch allerlei andere Handwerksberufe waren hier gut vertreten. Durch die Industrialisierung änderte sich das. Es entstanden neue Wirtschaftszweige, die typische Produkte aus Gouda hervorbrachten.

Bekannte Beispiele sind natürlich die Goudaer Kerzen der 1858 gegründeten Stearinkerzenfabrik. Heute ist diese Fabrik ein Chemieunternehmen, das an den schon von weitem sichtbaren, markanten Destillationskolonnen gut zu erkennen ist. In Gouda ließen sich auch viele Wäschereien nieder, hauptsächlich entlang der Grachten in der Innenstadt. 1839 wurde der Verlag für Wörter- und Kinderbücher Van Goor gegründet, und 1916 die Goudse Machinefabriek.

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1810

Die Goudaer Sirupwaffel

Die Sirupwaffel ist ein echtes Goudaer Produkt und nicht zu vergleichen mit den Waffeln, die Supermärkte verkaufen. Noch immer ist man geteilter Meinung, wenn es um die Lieblingswaffel in Gouda geht. So hat jede Variante ihre eigenen Anhänger.

Da die Waffelbäcker selbständige Unternehmer waren, ist nur schwer festzustellen, wann genau die Goudaer Sirupwaffel erfunden wurde. Die Bäckerei Kamphuisen fing 1810 an, Sirupwaffeln nach eigenem Rezept zu backen. 1837 wurde die erste Fabrik gegründet, die Goudse Siroopfabriek.

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STROOPWAFELS 0265 VVV Gouda
Westergouwe

1900-heute

Stadterweiterungen: Gouda expandiert

Erst im 20. Jahrhundert wird das historische Zentrum mitsamt Grachtengürtel erweitert. In den ersten 20 Jahren des 20. Jahrhunderts entstehen die Straßen De Korte Akkeren und Kort Haarlem. Zwischen 1950 und 1990 kommen die Viertel Oosterwei, Bloemendaal und Goverwelle dazu.

In den 1960ern wirbt die niederländische Regierung Gastarbeiter an, um den durch den Krieg entstandenen Mangel an Arbeitskräften auszugleichen. Die Stadt bekommt viele neue Einwohner. In Gouda sind nunmehr fast 130 Nationalitäten vertreten, wobei Niederländer mit marokkanischen Wurzeln die Mehrheit bilden. Die Einwohnerzahl steigt auf über 70.000.

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1914-1945

Der Dichter und die Weltkriege in Gouda

1914 wurde in der Krugerlaan der Wissenschaftler, Dichter und Humanist Leo Vroman geboren. Er floh Anfang des Zweiten Weltkriegs nach England. Im Ersten Weltkrieg blieben die Niederlande – und somit auch Gouda – zwar verschont, verzeichneten jedoch eine starke Zuwanderung von Flüchtlingen aus Belgien. Für sie wurde am Graaf Florisweg ein Auffanglager eingerichtet.

Im Zweiten Weltkrieg zerstörten verirrte Bomben den Bahnhof und mehrere Häuser, unter anderem an der Fluwelensingel und Krugerlaan. Bürgermeister James wurde zu Kriegsanfang entlassen. Er kehrte jedoch nach der Kapitulation Deutschlands als Bürgermeister zurück in die Stadt. Viele Stadtbewohner wurden deportiert, darunter die gesamte jüdische Bevölkerung. All diese Menschen fanden den Tod.


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Burg james en Juliana
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2000-2019

Gouda empfängt über 1 Million Besucher

Seit Jahren nimmt die Zahl der Besucher in der Stadt stetig zu. 2018 wurde die Grenze von einer Million überschritten. Die Stadt hat viel dazu beigetragen, unter anderem durch die Organisation großer Events. So wurde hier 2011 zum ersten Mal „The Passion“ aufgeführt. Im Jahr darauf folgte „De Zandtovenaar“. 2015 machte die Tour de France Station in Gouda, und 2018 wurde hier der „Roze Zaterdag“ gefeiert, die niederländische Version der Gay Pride Parade.

Jedes Jahr finden zahlreiche Veranstaltungen in Gouda statt. Am Königstag sowie zu vielen anderen (Musik-)Festivals strömen Tausende von Besuchern in die Stadt. Der allwöchentliche Käsemarkt von April bis August, die Goudaer Keramiktage, das Osterfrühstück, das Dance-Festival Riverdale, aber auch Events wie „Gouda bij Kaarslicht“, „Singelloop“, „Zotte Zaterdag“ und „SupercooleKidsfeest“ sorgen für eine lebendige Stadt und viele Besucher von nah und fern.

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